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Was ist die souveräne Cloud?

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Die souveräne Cloud beschreibt ein Cloud-Computing-Konzept, bei dem Organisationen die vollständige Kontrolle über ihre Daten, Prozesse und digitalen Infrastrukturen behalten. Im Mittelpunkt stehen dabei Datenhoheit, ein klar definierter Rechtsraum sowie die Unabhängigkeit von fremdstaatlichem Zugriff. Anders als bei klassischen Public-Cloud-Angeboten globaler Hyperscaler wird sichergestellt, dass weder Betreiber noch ausländische Behörden unkontrollierten Zugang zu sensiblen Informationen erhalten.

Der Begriff souveräne Cloud bezeichnet kein eigenes Bereitstellungsmodell wie Public, Private oder Hybrid Cloud. Vielmehr handelt es sich um ein Governance- und Kontrollkonzept, das sich auf unterschiedliche technische Cloud-Architekturen anwenden lässt. Entscheidend ist nicht die Technologie allein, sondern die Kombination aus rechtlichen, organisatorischen und technischen Maßnahmen.

Was bedeutet „souveräne Cloud“ konkret?

Eine souveräne Cloud ist dadurch gekennzeichnet, dass Daten ausschließlich innerhalb eines definierten geografischen und rechtlichen Raums verarbeitet werden – z.B. innerhalb der Europäischen Union. Betreiberstrukturen, Betriebsprozesse und Zugriffsrechte sind transparent geregelt und unterliegen nationalem oder europäischem Recht. Ziel ist es, Risiken durch extraterritoriale Gesetzgebung und intransparente Abhängigkeiten zu minimieren.

Im Unterschied zur klassischen Public Cloud, bei der Anbieter häufig global agieren und Datenströme über Ländergrenzen hinweg verteilen, setzt die souveräne Cloud auf klare Zuständigkeiten. Sie kann sowohl als Private Cloud, als Community Cloud oder auch als speziell regulierte Public-Cloud-Variante umgesetzt werden – solange die Souveränitätsanforderungen erfüllt sind.

DSGVO vs. US Cloud Act

DSGVO vs. US Cloud Act

EU- vs. US-Recht: Wer hat Zugriff auf die Daten?

Ein wesentlicher Treiber für souveräne Cloud-Modelle sind rechtliche Unsicherheiten bei internationalen Cloud-Anbietern.  In der EU stellt die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) klare Anforderungen an die Verarbeitung personenbezogener Daten. Gleichzeitig erlaubt der US CLOUD Act unter bestimmten Umständen den Zugriff US-amerikanischer Behörden auf Daten von US-Anbietern – unabhängig vom Speicherort.

Souveräne Clouds begegnen diesen Risiken durch Betreiber- und Vertragsmodelle, die ausschließlich dem europäischen oder nationalen Recht unterliegen. Dadurch lassen sich Compliance-Vorgaben insbesondere für Behörden, kritische Infrastrukturen und regulierte Branchen verlässlicher einhalten.

Wie wird Cloud-Souveränität technisch umgesetzt?

Die technische Umsetzung von Cloud-Souveränität erfordert ein Zusammenspiel aus Architektur, Sicherheitsmechanismen und klar definierten Betriebsmodellen. Zentrales Element ist der physische Standort der Rechenzentren: Daten müssen nachweislich innerhalb eines festgelegten Rechtsraums – etwa der EU oder eines einzelnen Staates – gespeichert und verarbeitet werden. Zusätzlich ist entscheidend, wer die operative Kontrolle über Infrastruktur, Betrieb und Wartung innehat. Bei souveränen Cloud-Modellen liegt diese Verantwortung bei europäischen oder nationalen Betreibern, nicht bei globalen Mutterkonzernen.

Ein weiterer Kernaspekt ist die kryptografische Kontrolle. In souveränen Clouds behalten Kunden die Hoheit über Krypto-Schlüssel, häufig über sogenannte Customer Managed Keys oder Hold-Your-Own-Key-Konzepte. Selbst der Cloud-Betreiber kann ohne Freigabe keinen Zugriff auf Klartextdaten erlangen. Ergänzt wird dies durch strenge Identitäts- und Zugriffsmanagement-Systeme (IAM), die rollenbasierte Zugriffe, Mehrfaktor-Authentifizierung und revisionssichere Protokollierung ermöglichen.

Auch die Liefer- und Supportkette spielt eine wesentliche Rolle. Souveräne Clouds setzen auf transparente Subdienstleister, lokalisiertes Betriebspersonal und klar geregelte Supportprozesse, um indirekte Zugriffsrisiken zu minimieren. Technisch wird dies oft durch getrennte Administrationsdomänen, dedizierte Management-Zonen und kontrollierte Remote-Zugriffe umgesetzt.

In der Praxis existieren unterschiedliche Umsetzungsmodelle. Europäische Anbieter wie OVHcloud oder T-Systems betreiben souveräne Cloud-Infrastrukturen vollständig unter europäischem Recht. Andere Ansätze basieren auf Partnerschaftsmodellen, bei denen globale Cloud-Technologien genutzt werden, der Betrieb jedoch durch einen lokalen, rechtlich unabhängigen Partner erfolgt. Beispiele sind nationale oder behördenspezifische Cloud-Plattformen, die auf bekannten Cloud-Stacks aufsetzen, aber durch zusätzliche Governance- und Kontrollschichten souverän betrieben werden.

Diese Kombination aus technischer Isolation, kryptografischer Kontrolle und organisatorischer Governance macht Cloud-Souveränität in der Praxis umsetzbar – allerdings mit höherem Planungs- und Betriebsaufwand als bei klassischen Public-Cloud-Angeboten.

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Für wen ist eine souveräne Cloud sinnvoll?

Souveräne Clouds richten sich vor allem an Organisationen mit hohen Anforderungen an Datenschutz und Compliance. Dazu zählen staatliche Behörden, Betreiber kritischer Infrastrukturen, das Gesundheitswesen, Finanzdienstleister sowie Unternehmen in stark regulierten Industrien. Aber auch deren Dienstleister und Zulieferer müssen den hohen Informationssicherheits-Bestimmungen regulierter Auftraggeber häufig entsprechen, weshalb das Thema selbst klein- und mittelständische Unternehmen betreffen kann.

Auch Forschungseinrichtungen und sicherheitsrelevante Organisationen profitieren von klaren Governance-Strukturen. Für diese Zielgruppen steht nicht primär Kostenoptimierung im Vordergrund, sondern die Minimierung rechtlicher und strategischer Risiken.

Welche Anbieter und Initiativen für souveräne Clouds gibt es?

In Europa hat sich in den letzten Jahren eine eigenständige Landschaft souveräner Cloud-Angebote entwickelt. Diese richtet sich insbesondere an staatliche Stellen, den öffentlichen Sektor sowie regulierte Branchen. Charakteristisch für diese Anbieter ist, dass Betrieb, Datenhaltung und Governance innerhalb europäischer Rechtsräume erfolgen und spezifische nationale oder europäische Sicherheitsanforderungen erfüllt werden. Häufig entstehen solche Lösungen in enger Zusammenarbeit mit öffentlichen Institutionen.

Der Markt für souveräne Cloud-Lösungen in Europa wird aber nicht ausschließlich von europäischen Anbietern geprägt, sondern zunehmend durch Kooperationsmodelle zwischen Hyperscalern und europäischen beziehungsweise staatlich nahen Organisationen. Ziel dieser Partnerschaften ist es, die technologische Leistungsfähigkeit globaler Cloud-Plattformen mit europäischen Anforderungen an Datenhoheit, Governance und Rechtsraum zu verbinden.

Ein verbreitetes Modell ist die Trennung von Technologie und Betrieb. Dabei stellen Hyperscaler wie Microsoft, Google oder andere die zugrunde liegende Cloud-Technologie bereit, während Betrieb, Administration und rechtliche Verantwortung bei einem europäischen Partner liegen. Der Zugriff des Hyperscalers auf Kundendaten wird vertraglich und technisch ausgeschlossen oder stark eingeschränkt. Dieses Modell kommt insbesondere im öffentlichen Sektor zum Einsatz.

Europäische Anbieter von souveränen Clouds

Die folgende Auswahl zeigt größere und relevante europäische Anbieter souveräner Cloud-Lösungen:

Anbieter Sitz / Fokusland Zielgruppe Einordnung zur Cloud-Souveränität
Bleu Frankreich Öffentliche Verwaltung, regulierte Organisationen Joint Venture von Capgemini und Orange; souveräne Cloud auf Basis von Microsoft-Technologie; Betrieb unter französischem Recht; erfüllt SecNumCloud-Anforderungen
Delos Cloud Deutschland Bundesverwaltung, öffentlicher Sektor Kooperation mit SAP; ausgelegt auf Anforderungen der deutschen Bundesverwaltung; erfüllt BSI C5 und IT-Grundschutz
Atos / Eviden Europaweit Staat, kritische Infrastrukturen Souveräne und hochsichere Cloud-Modelle für staatliche und regulierte Kunden; nationaler Betrieb und kontrollierte Governance
Aruba Cloud Italien Öffentlicher Sektor, regulierte Branchen Europäische Cloud-Infrastruktur mit Fokus auf Datenhoheit, DSGVO und regionale Kontrolle
IONOS Deutschland / EU Unternehmen, öffentlicher Bereich Europäischer Anbieter mit Rechenzentren in der EU; adressiert Anforderungen an Datenschutz und Datenhoheit

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Neben diesen Anbietern existieren übergeordnete europäische Initiativen wie Gaia-X, die selbst keine Cloud-Dienste betreiben, sondern ein föderiertes Ökosystem für souveräne Cloud- und Datenräume schaffen sollen. Gaia-X definiert gemeinsame Standards für Transparenz, Interoperabilität und Datenhoheit und dient damit als Rahmen für souveräne Cloud-Umsetzungen in Europa.

Fazit: Durch eine souveräne Cloud wird Europa unabhängiger

Die Bedeutung souveräner Cloud-Lösungen in Europa wächst vor dem Hintergrund veränderter geopolitischer Rahmenbedingungen. Globale Machtverschiebungen, zunehmende staatliche Einflussnahmen auf digitale Infrastrukturen und unterschiedliche Rechtsauffassungen im internationalen Datenverkehr führen dazu, dass Fragen der Datenhoheit und Kontrolle stärker in den Fokus rücken. Gleichzeitig steigen die regulatorischen Anforderungen an Datenschutz, IT-Sicherheit und Nachvollziehbarkeit von Datenverarbeitung.

Vor diesem Hintergrund wird die souveräne Cloud zunehmend als pragmatischer Ansatz verstanden, um digitale Abhängigkeiten – vor allem vor den USA – zu reduzieren und Risiken besser zu steuern. Sie ersetzt nicht die Nutzung globaler Cloud-Technologien, schafft jedoch klare Governance-Strukturen und rechtliche Sicherheit für sensible Anwendungsfälle. Damit entwickelt sich die souveräne Cloud zu einem wichtigen Baustein für die langfristige digitale Handlungsfähigkeit, Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit Europas.

FAQ

Eine souveräne Cloud ist ein Cloud-Konzept, bei dem Daten, Betrieb und Governance vollständig innerhalb eines definierten Rechtsraums liegen und unter eigener Kontrolle stehen.

Souveräne Clouds priorisieren Datenhoheit, rechtliche Kontrolle und Governance, während Public Clouds auf globale Skalierung und Servicevielfalt ausgelegt sind.

Der Rechtsraum bestimmt, welchen Gesetzen Cloud-Anbieter unterliegen und wer im Zweifel Zugriff auf gespeicherte Daten verlangen kann.

Hyperscaler liefern häufig die Cloud-Technologie, während Betrieb und rechtliche Verantwortung bei europäischen oder staatlich kontrollierten Partnern liegen.

Vor allem für Behörden, kritische Infrastrukturen, das Gesundheitswesen, Finanzdienstleister sowie Unternehmen in regulierten Branchen.

Durch regionale Rechenzentren, kontrollierte Administration, strenge Zugriffskonzepte und die Hoheit über kryptografisches Schlüsselmaterial, etwa in staatlichen oder behördenspezifischen Cloud-Plattformen.